25. Juni 2017, 18:00

Den Kommunismus Historisieren

Das Chamäleon des 20. Jahrhunderts

Ort: neue Gesellschaft für bildende Kunst [nGbK]

Oranienstraße 25, 2. Stock

10999 Berlin

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Die weiteren Vorträge der Reihe
"Anti! Kommunismus"

Das Erbe der Oktoberrevolution war während des ganzen 20. Jahrhunderts zwischen zwei widersprüchlichen Interpretationen gespalten: einerseits die Ankündigung einer Transformation der Welt; andererseits die Enthüllungen des totalitären Potentials der Moderne. Für beide war die Partei der Schöpfergott der Geschichte, der die Ideologie verkörperte, die Gesellschaft gestaltete und die Zukunft entwarf. Für die einen war diese Interpretation idyllisch, für die anderen das Grauen. Der Kommunismus blieb in den Augen seiner Feinde bis heute eine gefährliche Krankheit. Den Kommunismus zu historisieren bedeutet, aus diesen dichotomischen, aber symmetrischen Repräsentationen auszubrechen. Entstanden als Versuch, den Himmel zu erstürmen, wurde der Kommunismus des 20. Jahrhunderts gegen und mit dem Faschismus eines der Gesichter der Dialektik der Aufklärung. Eine neue globale Linke – der Kommunismus des 21. Jahrhunderts – kann nicht entstehen, ohne diese historische Erfahrung durchzuarbeiten. Der Realsozialismus und der Antikommunismus waren die zwei Gesichter derselben „kalten Utopie“ (Ernst Bloch).