05. Juli 2015, 18:00

Ursprüngliche oder primäre Akkumulation? Eine postkoloniale Perspektive

Ort: neue Gesellschaft für bildende Kunst [nGbK]

Oranienstraße 25, 2. Stock

10999 Berlin

Show route

Die weiteren Vorträge der Reihe
"Die unheimliche Akkumulation"

Spätestens seit Marx macht der kausale Nexus Industrialisierung-Kapitalismus aus der modernen Lohnarbeit den Inbegriff der industriellen Beschäftigung. Die Enteignung der Landbevölkerung war laut Marx Teil der ursprünglichen Kapitalakkumulation, aus der die „doppelt freien“ Lohnarbeiter entstanden waren. Allerdings waren die Dominanz der postagrarischen, industriellen Beschäftigungsstruktur und damit der Vorrang von Lohnarbeit gegenüber anderen Beschäftigungsformen ausschließlich europäische Phänomene. Daneben stellten die Sklaverei auf karibischen Plantagen, die „zweite Leibeigenschaft“ in Teilen Osteuropas und Südamerikas, sowie Zwangsarbeit, Arbeitspacht oder Lehnswesen in verschiedenen Teilen der nicht-westlichen Welt keine Anomalien oder feudale Überbleibsel in einem kapitalistischen System dar, sondern wiederkehrende Muster der Verwandlung von Arbeitskraft in Ware, die eine bedeutende analytische Erweiterung des Konzepts der ursprünglichen Akkumulation um seine anhaltende Funktion als primäre Akkumulation ermöglichen.