04. Dezember 2000

Berliner Passagen

Die weiteren Vorträge der Reihe
"Geschichte nach Auschwitz"

Berlin ist eine geschichtsphilosophisch besondere Stadt. Die Frage, wie sich nach dem Ende der Moskauer Machtausübung historischer Materialismus und Liberalismus, zwei gegensätzliche Typen der Deutung von Zeit, Gesellschaft und Existenz, zueinander verhalten, materialisiert sich hier dichter als irgendwo sonst. Gleichwohl wird die Frage, wenn überhaupt, meist nur auf dem Niveau von Haussanierungen behandelt: Gesucht wird nur nach Anzeichen, wo »schon« etwas Bundesrepublik ist oder »noch« immer DDR. Was Walter Benjamin in seinem Fragment »Passagen-Werk« für das Paris des 19. Jahrhunderts vorgelegt hat, müsste für das Berlin des 20. Jahrhunderts noch geleistet werden: eine Sammlung von Zitaten, Trümmern, Bildern, Relikten, Eindrücken und Erlebnissen, die einen Aufschluss für das Begreifen der Gegenwart bieten. Vorgetragen werden sollen einige unsystematische Überlegungen zu einem solchen Programm sowie auch zur dringend gebotenen Rehabilitierung des Flaneurs.