12. Februar 2001

Wie die Psychoanalytische Bewegung zum Stillstand kam

Die weiteren Vorträge der Reihe
"Geschichte nach Auschwitz"

Freuds psychoanalytische Theorie entstand aus dem Versuch, das Rätsel der hysterischen Erkrankungen zu lösen. Das Rätsel dieser »sozialen Leiden« (S. Ferenczi) war aber mit dem der "Kultur" identisch. Freud suchte nach einem therapeutischen Ausweg aus der kulturellen Krise, indem er (im Zeitalter des »Positivismus«) auf Schellings Theorie der französischen Revolution (die Lehre vom bewusstlosen Produzieren und von der Anamnesis) zurückgriff. Die Psychoanalyse war keine »Naturwissenschaft«, sondern eine Kritik von Pseudonatur. Sie war politisch nicht »neutral«, sondern nahm Partei für die von der »Kultur« Überforderten und gegen die bestehende »Kultur« der sozialen Ungleichheit, der Pogrome und der Kriege. Angesichts der massenfeindlichen Massenbewegungen, die im Gefolge des ersten Weltkrieges aufkamen, versuchte Freud (1932), die Existenz der Psychoanalyse durch politische Neutralisierung zu retten. Seine Nachfolger haben daraus eine Doktrin und einen Habitus gemacht.